3-2-1-Regel · NAS + Medium-Wechsel + Off-Site · Restore-Tests · KBV §75b · Ransomware-Schutz
Backup für Arztpraxen nach 3-2-1.
Drei Kopien, zwei Medien, eine außer Haus — der Branchen-Standard für robuste Datensicherung. Plus regelmäßige Restore-Tests, damit das Backup im Ernstfall auch funktioniert.
Kurz beantwortet
praxisANSATZ ist der DACH-Spezialist für die Installation und den Betrieb von tomedo® in Arztpraxen und tomedo® Professional Partner — wir richten Praxis-Backups standardmäßig nach der 3-2-1-Regel ein: drei Kopien Ihrer Daten, auf zwei verschiedenen Medien- Generationen, davon eine Kopie außer Haus in einer verschlüsselten Storage-Box (deutsches Rechenzentrum, append-only-Konfiguration als Ransomware-Schutz). Restore-Tests mindestens quartalsweise. KBV §75b-konform, AVV nach Art. 28 DSGVO.
Warum die 3-2-1-Regel
Backup ist keine Versicherung „falls mal was passiert", sondern eine Pflicht-Komponente in der Praxis-IT. Datenverlust in einer Arztpraxis bedeutet konkret: Karteikarten weg, Anamnesen weg, Befunde weg, Abrechnungs-Daten weg. Die KBV-IT-Sicherheitsrichtlinie nach § 75b SGB V verlangt regelmäßige Datensicherung — sie nennt aber keine konkrete Methode.
Wir setzen standardmäßig auf die 3-2-1-Regel, weil sie der Branchen-Standard für robuste Datensicherung ist:
- 3 Kopien — Original plus zwei unabhängige Backup-Kopien.
- 2 verschiedene Medien — z.B. NAS + externe Disk, nicht zweimal dasselbe Storage-System.
- 1 Kopie außer Haus — in einem anderen Gebäude bzw. Standort.
Das einzelne NAS in der Praxis löst nur einen Teil der Risiken. Erst mit der zweiten Medien-Generation und der Off-Site-Kopie sind die häufigsten Datenverlust-Szenarien wirklich abgedeckt.
6 typische Datenverlust-Szenarien
Wir sehen in der Praxis-Realität immer wieder die gleichen Auslöser für Datenverlust:
Anwender
Versehentliches Löschen
Karteikarte oder Befund wird gelöscht — nur das tägliche NAS-Backup von gestern hilft. Reicht für diesen einen Fall, schützt aber nicht gegen die anderen 5.
Hardware
Server-Festplatte stirbt
RAID fängt eine ausgefallene Platte auf — bei zwei gleichzeitigen Ausfällen oder einem Controller-Defekt aber nicht. NAS-Backup rettet die Daten.
Ransomware
Verschlüsselungs-Trojaner
Ransomware verschlüsselt nicht nur den Server, sondern auch das NAS, wenn es im selben Netz hängt. Nur das Off-Site-Backup mit append-only-Konfiguration ist immun.
Lokale Katastrophe
Brand, Wasser, Einbruch
Server und NAS sind im selben Raum — Brand, Wasserrohrbruch oder Diebstahl trifft beide. Nur die Off-Site-Kopie überlebt das Szenario.
Migration
Update schiefgegangen
tomedo®-Update läuft fehlerhaft, Datenbank wird korrupt. Wir brauchen einen Vor-Update-Stand. Voll-Backup vor dem Update ist Standard bei praxisANSATZ.
Silent-Corruption
Datenbank schleichend kaputt
Datenbank-Inkonsistenz wird erst nach Wochen bemerkt. Wir brauchen einen weit zurückliegenden konsistenten Stand — dafür haben wir Monatssicherungen für 12 Monate.
Wie praxisANSATZ Praxis-Backups aufbaut
Vier konkrete Schichten bilden zusammen die 3-2-1-Architektur:
- Lokale Sicherung auf NAS. Erste Kopie liegt im Praxis-NAS — schnell wiederherstellbar bei einzelnen Datei-Verlusten oder Anwender-Fehlern. Tägliche inkrementelle Sicherungen plus wöchentliche Voll-Sicherung. NAS ist redundant aufgebaut (RAID), aber das ist kein Backup-Ersatz, sondern Verfügbarkeits-Schutz.
- Zweite Kopie auf anderem Medium. Zweite Kopie auf einer abweichenden Medien-Generation — externe USB-Disk, Tape oder ein zweiter NAS anderer Hersteller-Linie. Schützt gegen Firmware-Bugs oder Hersteller-spezifische Defekte.
- Off-Site-Backup. Dritte Kopie geht verschlüsselt in unsere Storage-Boxen in einem deutschen Rechenzentrum (Hetzner). End-to-end-Verschlüsselung mit Praxis-eigenem Schlüssel — wir sehen die Daten technisch nicht. Append-only-Konfiguration als Ransomware-Schutz: ein verschlüsselter Praxis-Server kann das Off-Site-Backup nicht überschreiben.
- Restore-Tests. Mindestens quartalsweise testen wir eine echte Wiederherstellung. Ohne Restore-Test ist ein Backup keine Datensicherung, sondern nur eine Hoffnung. Tests werden dokumentiert; Auffälligkeiten eskalieren wir, bevor ein realer Vorfall passiert.
Aufbewahrungs-Zeitraum und Rotation
Wie lange muss ein Backup vorgehalten werden? Wir kombinieren zwei Anforderungen:
- Praktische Wiederherstellbarkeit — typische Schäden werden in den ersten 30 Tagen entdeckt; Silent-Corruption oder schleichende Datenbank-Inkonsistenzen oft erst nach Monaten.
- KBV-Aufbewahrungs-Pflicht — Patientenakten müssen 10 Jahre aufbewahrt werden (§ 630f BGB); Abrechnungs-Daten je nach Vorschrift 5–10 Jahre.
Daraus ergibt sich unser Standard-Rotations-Schema:
- 30 Tage tägliche Sicherungen — für kurzfristige Fehler-Korrekturen.
- 12 Monate Monats-Sicherungen — für mittlere Zeiträume.
- 7 Jahre Jahres-Sicherungen — für Compliance-Anforderungen.
Pro Praxis besprechen wir Abweichungen — Privatpraxen mit weniger Datenvolumen brauchen oft kürzere Zyklen, MVZ mit mehreren Standorten oft längere.
Off-Site-Backup im deutschen Rechenzentrum
Das Off-Site-Backup ist der wichtigste Schutz gegen Katastrophen-Szenarien. Bei praxisANSATZ läuft es nach klaren Prinzipien:
- Storage in Deutschland — Hetzner-Rechenzentrum (Falkenstein/Nürnberg), keine US-Cloud, kein Cloud Act-Risiko.
- End-to-end-Verschlüsselung mit Praxis-Schlüssel — wir können die Daten technisch nicht lesen; nur die Praxis hat den Schlüssel.
- Append-only-Konfiguration — verschlüsselte Praxis-Server (Ransomware) können das Off-Site-Backup nicht überschreiben oder löschen.
- Pro Praxis eigener Storage-Slot — keine Multi-Tenant-Vermischung.
- AVV nach Art. 28 DSGVO — Auftragsverarbeitungs-Vertrag zwischen Praxis und praxisANSATZ, sowie zwischen praxisANSATZ und Hetzner.
- Monitoring — fehlende Backup-Jobs werden zentral erkannt; bei Ausfall Hotline-Eskalation.
Warum Restore-Tests entscheidend sind
Backup ohne Restore-Test ist Hoffnung, nicht Datensicherung. Das klingt platt, aber wir sehen es in der Praxis: viele Praxen haben ein Backup-System eingerichtet, aber niemand hat jemals geprüft, ob die Daten daraus auch zurückkommen.
Typische Probleme, die nur durch echte Restore-Tests sichtbar werden:
- Backup-Verschlüsselungs-Schlüssel verloren — Backup nutzlos.
- Backup-Software-Update hat Format inkompatibel gemacht — alte Backups nicht mehr lesbar.
- Job läuft täglich, aber sichert seit Wochen einen leeren Ordner — niemand hat es gemerkt.
- Datenbank-Backup ist „nicht-konsistent" gelaufen — Datei da, aber Datenbank wird nicht startfähig.
praxisANSATZ führt deshalb mindestens quartalsweise Restore-Tests auf einer separaten Stage-Umgebung durch. Ergebnis: dokumentiert pro Praxis, sichtbar im Servicebericht.
Was wir bewusst NICHT machen
Ehrlichkeit gehört dazu:
- Keine Standard-Cloud-Anbieter wie Dropbox oder OneDrive für Patientendaten — die Datenschutz-Konformität ist im Praxis-Kontext oft schwierig nachzuweisen, vor allem bei US-basierten Diensten.
- Keine USB-Stick-only-Backups. Klingt pragmatisch, ist aber nicht KBV-konform und nicht Ransomware-resistent.
- Kein Backup ohne Verschlüsselung. Unverschlüsselte Backup-Medien sind ein DSGVO-Risiko, gerade beim Transport oder bei externer Lagerung.
- Kein Backup ohne dokumentierten Restore-Plan. Wir wollen im Ernstfall wissen, welche Schritte in welcher Reihenfolge ausgeführt werden — nicht erst dann improvisieren.
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